Wenn der Job zur Sucht – Liebe wird

| 19. Februar 2014

WorkaholicsWorkaholics ist nicht nur einfach ein Begriff. Immer öfters sind arbeitssüchtige auch in Deutschland zu finden. Seit Jahren steigt die Zahl der Workaholics wieder deutlich an. Die Auswirkungen sind immer gleich. Das Wochenende wird zu einer Belastung. Besonders schlimm ist der Sonntag. Zudem wird Urlaub, auch wenn dieser nur wenige Tage andauert, als eine reine Belastung angesehen. Workaholics sind aber ebenso für den Ehe-/Lebenspartner eine ständige Belastung. Wer immer mehr von seinem Job, seiner Karriere besessen ist, verliert schnell den Bezug zu privaten Dingen und Beziehungen. Mittlerweile sind zahlreiche Selbsthilfegruppen zu finden, die sich intensiv mit dem Thema Workaholics auseinandersetzen. Dabei stellt sich die Frage, inwieweit Selbsthilfegruppen überhaupt agieren können. In vielen anderen Bereichen zeigen sich diese oft als nutzlos.

Workaholics – Mehr und mehr

Am Anfang hat der Job nur Spaß gemacht und der Gedanke an die eigene Karriere war stark verankert. Doch irgendwann kommt es zu einer fließenden Überleitung, von Spaß, Ehrgeiz und Lust hin zum Workaholics. Vorweg sei die Frage gestellt, ob die Arbeitssucht überhaupt als etwas Negatives betrachtet werden kann? Hier gehen die Meinungen der Experten weitläufig auseinander. Wer Karriere machen will, wird das immer zulasten der Familie. Das Privatleben kommt in solchen Fällen an letzter Stelle. Spaß und Freude an dem Job an der Karriere und der Übergang sind wie bereits erwähnt fließend. Müssen aber keinesfalls negativ sein. Nur wenn die Arbeitssucht aus Druck erfolgt und aus dem Ehrgeiz getrieben, stets der Beste zu sein, sollte man sein Verhalten hinterfragen. Die Abgrenzung zwischen einem normalen Workaholic und einem Arbeitssüchtigen, der von äußerem Druck geleitet ist, fällt jedoch im Einzelfall immer schwer.

Nie mit sich zufrieden

Viele Workaholics zeichnen sich auch dadurch aus, dass sie mit ihren Leistungen im Job nie zufrieden sind. Auch wenn die Vorgesetzten noch voller Lob sind, ist das bei Weitem nicht ausreichend. Ehrgeiz ist wichtig. Mit seinen Leistungen nicht zufrieden zu sein, ist manchmal durchaus ein guter Punkt, um die Karriereleiter höher steigen zu können. Doch wo wird dieser Ehrgeiz krankhaft? Eine Frage, die nur schwierig zu beantworten ist. Wir neigen dazu, Workaholics grundsätzlich im negativen Licht zu sehen. Doch das wäre zu pauschal. Hier müssen im Einzelfalle Abgrenzungen vorgenommen werden.

Arbeitssüchtig wirklich negativ?
Nach einer Studie gilt jeder 7. Deutsche als arbeitssüchtig und entwickelt eine krankhafte Arbeitsfixierung. Doch auch hier fehlt eine Abgrenzung zu dem Begriff „krankhaft“. Es lassen sich viele Workaholics finden, die in Ihrem Job aufgehen und damit auch die privaten Interessen verbinden. Vergessen darf man hierbei nicht, ein reiner 14 – 16 Stunden Tag im Job besteht nicht nur aus Arbeit. Immer wieder reihen sich die unterschiedlichsten Erholungspausen an, die durchaus mit eigenem Genuss verbunden werden. Und wenn es nur der Kaffee und die freien Gedanken dabei sind. Natürlich überträgt sich bei Workaholics auch der Gedanke der Arbeit in die Freizeit und in das private Leben, sofern dieses noch vorhanden ist. Hier müssen aber ebenfalls Unterschiede gemacht werden. Ist das Verhalten gewollt und vom eigenen Willen und Gedanken akzeptiert, ist es fraglich, ob man diese Arbeitssucht wirklich als krankhaft ansehen kann.

Priorität Karriere oder Familie

Anders ist das jedoch, wenn auch die Familie Priorität hat und sich die Sucht nach Arbeit dort massiv auswirkt. In der Regel kommt bei der Karriere aber die Familie und das Private ganz zum Schluss. Ein Punkt, den kaum jemand ausspricht. Aber ein Punkt, der Tatsache ist. Auch das sollte nicht als negativ angesehen werden, solange diese Entscheidung aus freiem Willen geschieht. Doch genau da ist der springende Punkt beim Workaholic. Wo lässt sich erkennen, ob die Arbeitssucht aus freiem Willen einsetzt oder durch Druck im Laufe der Jahre entstanden ist?

Experten können dazu in der Tat oft keine klare Aussage tätigen. Schätzungen zu Folge sollen 400.000 Menschen „akut“ arbeitssüchtig sein. Klare Abgrenzungen gibt es aber bei diesen Zahlen nicht. Zugleich wird die Arbeitssucht auch immer wieder mit Medikamenten, Koffein, Nikotin und Alkohol verbunden. Auch das ist eine zu pauschale Eingrenzung. Sicherlich mag dieses manchmal zutreffen, doch eben nicht bei jedem Workaholic. Stress und Hektik werden von Menschen unterschiedlich gesehen. Eine Gruppe sieht das als ein Zeichen der Überlastung und sogar möglichen Auslöser von psychischen Erkrankungen. Andere hingegen brauchen Stress und Hektik um zu Atmen und fühlen sich genau in diesem Umfeld wohl, ohne später ausgebrannt zu sein.

Workaholics noch ein unentdecktes Gebiet

So werden Workaholics auch weiterhin ein unentdecktes Gebiet bleiben. Viel zu oft gehen Psychologen von krankhaften Symptomen aus. Diese müssen jedoch bei einem Arbeitssüchtigen keinesfalls vorliegen. Bis heute fehlt genau diese Abgrenzung in den zahlreichen Studien, die jedes Jahr weltweit zu diesem Thema erscheinen.

 

 

Bild: Bernd Kasper/pixelio.de