Job-Boom und Lohnfall

| 27. Juni 2013

Job-Boom
In den vergangenen Jahren kam es zu einem regelrechten Job-Boom in Deutschland. Die Arbeitslosigkeit sank und viele fanden einen neuen Arbeitsplatz. Doch auch dieser Boom hat seine Schattenseiten. Mit genauerem Blick offenbart sich, das viele der Jobs nur befristet sind. Zeit- und Leiharbeit sind dabei die Betonung. Das an sich wäre nicht schlimm, wenn die Lohnunterschiede dabei nicht so dramatisch wären. Nun warnt auch Arbeitsagentur Chef Weise und mahnt an, dass man die Agenda 2010 weiterentwickeln müsse.

Abbau kommt zum Erliegen

Aktuell haben wir immer noch um die 3 Millionen Arbeitslose in unserem Land. In der letzten Zeit stagnierten die positiven Nachrichten und der Abbau der Arbeitslosigkeit kam zum Erliegen. Zudem bieten die heutigen Jobangebote viel weniger Sicherheit, als es ältere Arbeitnehmer noch von damals kannten.

Schlecht bezahlt und mit Befristung ist das heutige Bild vom Arbeitsmarkt. Die einzelnen Einkommensunterschiede würden bei den befristeten Jobs sogar noch größer. Immer wieder werden Stimmen laut, das Änderungen erfolgen müssen. Ein bekannter Ökonom (Adam Posen) aus den USA erwähnte in diesem Zusammenhang sogar, dass die Erfolgsgeschichte der deutschen Wirtschaft auf den Köpfen der Arbeitnehmer ausgetragen wird.

Was bedeutet Arbeitslosigkeit

Die Zahlen in der Statistik ändern sich ständig. Wichtig dabei jedoch ist, ab wann Arbeitslosigkeit erfasst wird. Die Bundesagentur für Arbeit hat dabei ihre eigene Auffassung. Arbeitslos ist demnach, wer weniger als 15 Stunden pro Woche arbeitet oder generell keiner Beschäftigung nachgeht. Zudem können nur Personen erfasst werden, die auch tatsächlich bei der Agentur oder bei einem Träger der Grundsicherung als arbeitslos gemeldet sind. Damit ist der Rahmen eng geknüpft. Wer mehr als 15 Stunden in der Woche arbeitet, gilt nicht mehr als Arbeitslos.

Lohnungleichheit steigt an

Der Unterschied zwischen unten und oben wird auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Nur wer über eine gute Schuldbildung verfüge, sich ständig weiterbildet können im Geschäftsleben gut bestehen und verfügt meistens auch über ein gutes Einkommen, so Weise. Wer diese Attribute nicht bietet, für den verbleiben nur niedrig bezahlte Jobs.

So wird immer wieder gefordert, die Agenda 2010 weiterzuentwickeln. Zwar verfügt ein Großteil über Arbeit. Doch diese Tätigkeit ist zumeist befristet, schlecht bezahlt und damit aus verschiedenen Punkten gefährdet. Weise sieht derzeit mit den neuen Mindestlöhnen im Friseurhandwerk eine positive Entwicklung, die aber keinesfalls nun stoppen darf.

Deutschland ist wieder wettbewerbsfähig

Lange Jahre galt Deutschland als Sorgenkind in der Wirtschaft. Seit vielen Jahren hat sich dieses Bild aber gewandelt und Deutschland ist endlich wieder wettbewerbsfähig. Dafür droht Frankreich in den Abgrund zu rutschen. Doch schon jetzt werden Stimmen wach, die den Erfolg in Deutschland nur als kurzfristig bezeichnen. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit, die unser Land derzeit aufweisen kann, sei nur durch die Zunahme ungesicherter Arbeitsverhältnisse möglich gewesen. Billige Arbeit ist ein Grund, warum wir im Export seit mehr als 10 Jahren wieder erfolgreich sind.

Versäumt wurde allerdings dabei, andere Bereiche zu fördern. Folgt man der Auffassung des US-Ökonomen Posen, wurden Bildung und technologischer Fortschritt in all diesen Jahren vernachlässigt. Dass dieses tatsächlich so ist, verrät ein Blick auf die Investitionsquote. Und die liege seit 10 Jahren deutlich unter denen anderen G7-Staaten. Damit ergibt sich langfristig eine gefährliche Mischung. Arbeitnehmer, die verunsichert und demotiviert in befristeten Jobs sind und zugleich eine nachlassende Qualität in der Bildung.

Positive Signale

Dennoch planen viele Unternehmen in Deutschland, wieder mehr Arbeitskräfte einzustellen. Die DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) fand in einer Umfrage heraus, dass so bis zu 250.000 neue Arbeiter bis Jahresende eingestellt werden sollen. Blickt man dabei auf die Prognose von Anfang 2013, die nur bei 150.000 lag, ergibt das ein sattes Plus.

Artikelbild von Dieter Schütz (pixelio.de)