Festanstellung als Auslaufmodell

| 25. September 2014

Wird Festanstellung zu einem einzigen Auslaufmodell? Die Arbeitswelt wandelt sich seit Jahren in großen Schritten. Schon heute lässt sich die neue digitale Welt in den großen Fabriken beobachten. Nur noch wenige Ingenieure arbeiten mit vielen –oft freien- Entwicklern zusammen. Das Modell Festanstellung könnte demnach bald ein Relikt aus der alten Zeit sein. Der 3D-Drucker könnte sogar ganze Fabriken verschwinden lassen. Statt einer Fabrikfertigung werden Kleinteile bis hin zur Kaffeemaschine einfach zuhause ausgedruckt. Der Computer wird noch viel aktiver als bereits heute in unsere Arbeitswelt rücken. Damit dürfte die eigentliche Festanstellung, wie wir sie heute kennen, künftig kaum noch umsetzbar sein. Nach und nach wird die Frage entstehen, ob wir Menschen den Computer beherrschen oder es nicht irgendwann andersherum sein wird?

Festanstellung in der Autoindustrie

Festanstellung

Ford führte die Massenproduktion ein. Heute ist daraus die digitale geworden.

Ford revolutionierte einst die Autowelt. Das Unternehmen produzierte damals das erste sogenannte Volksauto für Jedermann. Modernste und maschinelle Produktion sollte ein Produkt für jeden verfügbar machen. Was damals eine Festanstellung garantierte könnte heute genau das Gegenteil bewirken. In der Autoindustrie kommen künftig weitere neue Techniken zum Einsatz, die den Punkt Festanstellung weiter reduzieren könnten. Mittlerweile gibt es viele Zulieferer, die bewusst auf Festanstellung verzichten. Local Motors, ein US-Zulieferer, arbeitet mit 40.000 externen Entwicklern, hat aber nicht einmal 100 Festanstellte. Partner des Unternehmens ist BMW. Hier wird beteuert, dass dieses Modell in Deutschland nie Anwendung finden würde. In 5 Jahren wird der Konzern sicherlich gekonnt revidieren.

Aber nicht nur die Technik beim Produktionsablauf findet immer neue Ansätze. Auch in den Personalabteilungen spielt moderne Software ein großes Thema. So soll eine neue Anwendung mit dem Namen „Kenexa Predictive Hiring“ herauszufinden, ob Bewerber für eine Festanstellung loyal sind. Die erweiterte Version „Kenexa Workforce Radiness“ soll dann die Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter kontrollieren.

Festanstellung in digitalem Zeitalter

Die Gewerkschaften verkennen immer noch die Zeit. Das neue Zeitalter lässt sich nicht aufhalten. Es ist jedoch an der Zeit zu diskutieren, wie es nach der Festanstellung aussehen soll. Welche Modelle wird es geben und wie kann der Lebensunterhalt garantiert werden. Die Zahl der Crowdworker steigt seit vielen Jahren. Menschen, die über Internetplattformen tätig sind und gar nicht mehr im klassischen Büro beim Unternehmen arbeiten. Immer mehr Großunternehmen verteilen die Arbeit in neuen Projekten direkt an externe, digitale Abteilungen. Häufig sind es Freelancer. Eine Festanstellung ist nicht erwünscht. Auf beiden Seiten.

Amazon mischt mit
Längst hat Amazon erkannt, dass die Festanstellung aussterben wird. So hat das Internetunternehmen einen Marktplatz für Gelegenheitsarbeiten eingeführt (Mechanical Turk). Die „Freelancer“ verdienen dort gerade einmal 1,25 US-Dollar in der Stunde.

Wegfall der Festanstellung auch eine Chance
Auf der anderen Seite bietet der Wegfall der Festanstellung natürlich auch eine Chance für eine völlig neue Arbeitswelt. Freizeit, Arbeit und Leben lassen sich nun fortan viel besser miteinander verbinden. Der Erwerb ist nicht mehr an einen Ort oder an ein Werk gebunden. Das kann mehr Lebensqualität bedeuten. Vorausgesetzt, die neue Art bietet auch Raum für genügend Einkommen. Ein Punkt, bei dem es bei den meisten Freelancern heute relativ schlecht aussieht. Hier liegen die Stundensätze, trotz guter Qualifikation, häufig so niedrig, dass ohne Mehrarbeit sich kaum ein guter Lebensstandard finanzieren lässt. Zugleich ist die Abhängigkeit von den Auftraggebern groß. Schon jetzt träumen die großen Unternehmen von der Industrie 4.0.- Festanstellung ade. Die freien Mitarbeiter arbeiten zuhause mit dem Tablet.

Alles wird sich vermischen. Freelancer arbeiten heute bereits 7-Tage die Woche, um keinen Kunden zu vergraulen. Der Wandel der Arbeitswelt fängt dabei gerade erst an.

Bild: pilot_micha/Flickr.